Sekuler Geschichten
Sekuler Geschichten
"Ta Kanal"
Zwischen 1901 und 1904 entstand in den Bergen von Reschitz, über Sekul, Franzdorf bis hinauf ins Semenik Gebirge ein gewaltiges Kanalsystem (ich erwähnte zuvor die Brücke, besser gesagt den Aquädukt der das Fuchsenthal in Sekul überbrückt).
Dieses Kanalsystem war 78 Kilometer lang, hatte 10 Tunnels und 16 Aquädukte und ist meiner Meinung nach immer noch eine besondere Attraktion dieser Gegend.
Als wir Kinder waren, war der Kanal unsere „Spielwiese". Wir badeten in dem eiskalten, reißenden Wasserstrom - so mancher hat hier das Schwimmen gelernt.
Das schönste waren die schmalen Gleise entlang des Kanals, auf denen wir manchmal mit kleinen Wagonnetten fahren durften. Vier Leute setzten sich auf der Holzbank, der Fünfte schob von hinten, von einem Trittbrett das Gefährt an.
Los ging' s über Viadukte, durch Tunnels, bis gegen Reschitz, inmitten einer herrlichen Landschaft.
Das Kanalsystem wurde natürlich nicht zu unserem Spaß geschaffen, sondern er ersetzte die Holzschwemme auf der Bersau und betrieb gleichzeitig das Wasserkraftwerk der Ländzentrale".
"Ta Barasch"
In 1909 wurde Flussabwärts von Franzdorf der erste große Stausee des Banats fertig gestellt, die Talsperre „Breazova". Später kamen noch der Franzdorfer- und Sekuler Stausee dazu, die den Kurs der Bersau regularisierten und beliebte Freizeitziele für die Einheimische, aber auch Touristen, wurden.
Am Sekuler „Baraj" verbrachten wir viele schöne Sommertage. Mit dem Fahrrad waren wir in einer halben Stunde dort, schwierig wurde es immer beim Rückweg, dem Cozia Bach entlang und dann steil hinauf auf dem „Dealu Sekul", durch einen Wald mit uralten Buchen.
"Ti Straßn"
1910 wurden zwei Forststrassen zwischen Reschitz und Steierdorf gebaut, die wir gerne für unsere Ausflüge benutzten. Die eine führte von „Minda" durch das Sodol Tal, über Komarnik (wo man eine der schönsten Höhlen der Region besuchen kann), vorbei an dem Stausee „Marghitas", bis Anina.
Die andere schlängelte das Bersautal hinauf, über Franzdorf, Crivaia, Vila Klaus, durch die Wälder des Semenik' s und der Aninaer Gebirge.
1911 verband man die Schmalspurbahn Sekul - Reschitz, von der Sekuler Brücke ausgehend, mit dem Eisenbergwerk in Delinescht.
1916 ist auch das Wasserkraftwerk der Breazova Talsperre fertig gestellt.
Nach dem 1. Weltkrieg, in 1919 wird Banat geteilt. Zum größtem Teil (das Bergland zu 100%) gehört es jetzt Rumänien, Serbien bekommt ca. 1/3 und Ungarn einen kleinen Teil westlich von Arad.
"Ti Sekula Grubn"
1920 wird die STEG in eine rumänische Aktiengesellschaft umgewandelt, die UDR
(Uzinele de Fier si Domeniile Resita). Die Grube und das ganze Land um Sekul herum gehören dazu. Man kann auch heutzutage noch beim spazieren durch den Sekuler Wälder Markierungssteine mit der Aufschrift „UDR" finden.
Ende der 20'er, infolge der Wirtschaftskrise steigt auch im Raum Reschitz die Arbeitslosigkeit.
Viele Arbeiter verlassen die Stadt, auf Arbeitsuche.
In dem Zeitraum zwischen den zwei Weltkriegen durchlief die Sekuler Grube drei Etappen:
1920 (Übergang zur UDR) - 1930
1930 - 1934
1934 - Beginn des zweiten Weltkrieges
In der 1. Etappe stand die Produktion im Vordergrund, es wurde recht wenig investiert oder eforscht.
Man stellte aber dennoch eine 700m lange Galerie her, um die Kontinuität der Kohlenader zu prüfen.
Als größere Investition in diesem Zeitraum sei der Kauf eines 375 CP Kompressors "Ingersoll" (37m³/Min).
In der zweiten Etappe stellte man die Förderung ein. Es wurden lediglich Reparaturen und einige
Erneuerungen durchgeführt. In dieser Zeit wurde auch eine pneumatische Waschanlage aufgestellt.
In dieser Zeit machte sich auch mein Großvater Babiak Ignaz, jetzt arbeitslos geblieben, auf dem Weg nach Frankreich, wo man ihn Arbeit versprochen hatte.
Es erwartete ihn aber eine noch schlechtere Lage als Zuhause und die Oma musste Beeren am Semenik pflücken und in Reschitz verkaufen, um ihn die Rückreise bezahlen zu können.
In der dritten Etappe grub man im Horizont XIII eine Halle für eine Wasserpumpe (150 PS, 500 Liter/Min).
In demselben Zeitraum wurden auch zwei akkubetriebene Elektroloks der Marke "Siemens - Schuckert" für die Kohlenförderung "unter Tage", gekauft.
Diese lösten die bisher benutzten Pferde ab. Für die Transporte im Außenbereich wurde eine 18 PS starke Diesellok angeschafft.
Der Förder- und Entlüftungsschacht wurden mit Ziegel und Holz verkleidet. Mit wenig Ausnahmen wurde die hier geförderte Kohle ausschließlich für die Versorgung der Hüttenwerke in Reschitz
(und natürlich für den Eigenbedarf) benutzt.
Zur Kohlengrube in Sekul kann ich aus den Erzählungen meines Vaters, aus den Erinnerungen aus meiner frühen Kindheit und aus den gelesenen Büchern folgendes schreiben:
Die Grube lieferte Steinkohle besserer Qualität als die in Doman und Steierdorf. Sie bestand aus fünf Adern, zwischen 0,7 und 1,5m Dicke, von N nach S orientiert. Die Grube hatte zwei Schächte,
ein Lüftungs- und ein Förderschacht, 603m tief.
An der 300 PS starken Dampfmaschine des Förderschachts hat auch mein Vater als Maschinist gearbeitet.
Die Maschine hatte 4 Dampfkessel (2 in Funktion, 2 als Reserve) mit einem Druck von 6 ATÜ. Über einem Flachseil wurden die „Käfige" mit den Bergarbeitern und die Wagonnetten mit Kohle im Schacht befördert.
Die Druckluft die für den Presslufthammer und andere Maschinen benötigt wurde, stellte man mittels zweier elektrischen 200PS starken Kompressoren her, die 12m³, bzw.360m³/Min. Luft liefern konnten.
Ein 90 PS Ventilator versorgte die Grube mit Frischluft, ein Zweiter, 60 PS starker war als Reserve vorgesehen.
Die aus dem Alfred- Schacht geförderte Kohle kam nach einer 438m langen Strecke in die „Separation", wo ein 25 PS Benzinmotor seine Arbeit verrichtete.
Im 13. Horizont wurde ein Raum errichtet in dem eine 150 PS Zentrifugalpumpe mit einer Kapazität von 500l/Min. installiert wurde. Bis in den 30'er wurden die Wagonnetten in der Grube von Pferde gezogen, die nur am Sonntag das Licht der Sonne erblicken durften, ansonsten ihr Leben unter Tage verbrachten.
Im Zuge der Modernisierungen tauschte man sie gegen zwei Elektroloks „Siemens - Schuckert" mit jeweils 10 PS und Batterieantrieb, aus.
Für draußen hatte man noch eine Diesellok mit18PS. Die Sekuler Kohle wurde ausschließlich im Reschitzer Hüttenwerk verwendet.
Pro Jahr förderte man aus der Sekuler Grube zwischen ca. 9000 und 19000 Tonnen Steinkohle.
Bibliografie:
Georg Hromadka, Kleine Chronik des Banater Berglands, München 1993
C. Fenesan R. Gräf V.M. Zaberca I.Popa, Din istoria carbunelui Anina 200 , Resita 1991
Al. Tietz, Märchen und Sagen aus dem Banater Bergland , Bucuresti 1979
Hydrotechnische Ingenieurleistungen im Montanbanat (rum.)